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Heinrich Himmler ist einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust. Mit ihrem Buch „Die Brüder Himmler“ (2005) arbeitete Katrin Himmler die Geschichte ihrer Familie auf. Wie es sich mit so einem Nachnamen lebe, möchte eine Schülerin wissen. Zu ihrer Verwunderung, antwortet Himmler, komme der Name manchen gar nicht bekannt vor. „Himmler – wie schön, klingt ja wie Himmel“, so habe man schon reagiert. Wie wichtig Erinnerungskultur ist, zeigt dieses Beispiel. Aber auch heute gibt es verfassungsfeindliche politische Bewegungen, die unsere gegenwärtige demokratische Ordnung und das Grundgesetz bekämpfen. Diese fordern unsere Achtsamkeit.

Rechtspopulistische und rechtsextreme Strömungen differenziert zu benennen und zu analysieren ist das Angebot von Katrin Himmler an diesem Morgen. Ihren Vortrag verfolgen etwa 150 Schülerinnen und Schüler in der Schulaula zusammen mit Schulleiter André Stallo und weiteren Kolleginnen und Kollegen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Teamleiter Politik, André Piechatzek. Der Förderverein unterstützte finanziell.

Erstmals wird an den BBS Pottgraben von Schulassistent David Hartwig die Übertragung einer Live-Veranstaltung über IServ in die Klassenräume erprobt. So können über einen Link interessierte Klassen ortsunabhängig teilnehmen und sich über den Chat mit Fragen an die Wissenschaftlerin beteiligen.

„Demokratie lebt von uns“, so Katrin Himmler, die seit fast fünf Jahren Vorträge an Schulen hält, um junge Menschen über aktuelle Gefahren für die Demokratie durch die „Neue Rechte“ zu informieren und mit ihnen zu diskutieren. Die „Neue Rechte“ ist sehr erfolgreich auf Social-Media-Kanälen. Katrin Himmler nennt konkret rechtsextreme Influencer und Plattformen.

Die Verschwörungstheorien, Fake News und gesellschaftsspalterischen Darstellungen verdrehter Tatsachen gewinnen auch durch rechtsextremistische Kommentare unter den Posts immer weiter an Bedeutung, massenhaft erstellt von Trolls und Bots. Problematisch: Durch Algorithmen werden dann Social-Media-Nutzern immer wieder ähnliche Inhalte zugespielt. Diese ständige inhaltliche Wiederholung demokratiefeindlicher Botschaften verfängt sich in einer Selbstbestätigungsschleife. Erschreckend sei die „Neigung zu Bubbles, bequem und einfach“ stellt Katrin Himmler fest. Der Normalzustand in einer demokratischen Gesellschaft sei aber eine Vielfalt von Positionen. Diese erforderten eine differenzierte Auseinandersetzung.

In ihrem Vortrag sensibilisiert Katrin Himmler die Schülerinnen und Schüler für rechtsextreme Strömungen, die ihre politischen Ziele auf der Basis verschiedener Einstellungen wie Rassismus, Antisemitismus, Völkischen Nationalismus, Autoritarismus, Sexismus und Sozialdarwinismus verfolgen. In diesem Zusammenhang benennt sie auch die Partei AfD, die seit Mitte Februar 2026 vom Verfassungsschutz des Landes Niedersachsen als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.

Anknüpfungspunkte zwischen dem heutigen Vorgehen der demokratie- und verfassungsfeindlichen „Neuen Rechten“ und der frühen NSDAP in den 1920-er Jahren fallen auf: Typisch für beide ist zum Beispiel das Verhöhnen demokratischer Institutionen und das gezielte Stören parlamentarischer Debatten als Abgeordnete. Eine weitere Parallele besteht in der erfolgreichen Mediennutzung. Während früher der Rundfunk das reichweitenstärkste Propaganda-Instrument war, nutzen rechtsextreme Akteure heute geschickt die technischen Möglichkeiten von Social Media zur Verbreitung von Verschwörungstheorien und Halbwahrheiten in spalterischer Absicht. Nähern wir uns heute wieder gefährlichen Kipppunkten mit drastischen Folgen für Demokratie und Freiheit? Vor rund einem Jahrhundert entschieden sich die Menschen in Deutschland in einer großen Krise, der Weltwirtschaftskrise 1930 mit Massenarbeitslosigkeit, bitterer Armut und Hunger, den Nationalsozialisten in einer Wahl einen großen Teil ihrer Stimmen zu geben.

In diesem Zug stieg auch der Großonkel von Katrin Himmler rasch zu einem der mächtigsten Politiker im Dritten Reich auf. Die Zerstörung der Republik und der Aufbau einer menschenfeindlichen Diktatur, angefangen mit Einschränkungen von demokratischen Freiheitsrechten bis hin zu der brutalen Verfolgung von Menschen, die sich regimekritisch äußerten oder als politische Gegner definiert wurden, erfolgte innerhalb weniger Jahre. Während der Regierungszeit der Nationalsozialisten wurden so Menschen entrechtet, misshandelt und umgebracht.

Wie auf Menschen im eigenen Umfeld reagieren, die demokratiefeindliche Strömungen verharmlosen und nicht mehr zugänglich sind für Argumente auf der Faktenebene, fragt ein Schüler über den Chat Katrin Himmler. „Geduldig Gesprächsversuche unternehmen im realen Leben mit Personen, die abgedriftet sind“, antwortet die Politikwissenschaftlerin. Die eigene Haltung klar machen, etwas entgegen setzen, sich trauen zu sagen: „Ich denke anders.“ Kontakt halten, Brücke sein zum Rest der Gesellschaft. Versuchen zu verstehen, welche Sorgen und Nöte Menschen umtreibe, die sich von rechtsextremen Botschaften und Akteuren angezogen fühlen. Jenseits der Faktenebene gehe es vielfach um Emotionen, betont Katrin Himmler. Dies alles sei „mühsam“, aber „wir sind Teile einer Gesellschaft, wir sind eng miteinander vernetzt und voneinander abhängig“, so die Wissenschaftlerin. Denn: „Demokratie lebt von uns.“

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Vertiefende Informationen zum Thema im Netz sowie Hilfen und Übungen, die unterstützen, Scheinargumente zu entlarven:

Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus

https://ldz-niedersachsen.de/

Für Jugendliche: Desinformation auf TikTok verhindern

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/better-fact-checked-than-sorry/

https://www.gesichtzeigen.de/wp-content/uploads/2020/06/201218_gesichtzeigen_united_pocketbroschuere_braunewaesche.pdf

Desweiteren: Faktenchecks, Rückwärtssuche für Bilder

Stefanie Gerwesmann

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